Bis heute sollten BUND und NRWE zum Vergleichsvorschlag Stellung beziehen. Das ist inzwischen geschehen. Diesen Winter soll es laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) keine Rodungen im Rest des einst mächtigen Bürgewaldes mehr geben.

Klar, wir freuen uns. Wir freuen uns mit und für die Fledermäuse und Haselmäuse, mit den Mittelspechten denen sie ihre Wohnungen verdanken, mit den Stieleichen, den Hainbuchen, den Maiglöckchen und allen Lebewesen in und um den Wald herum. Auch mit den Menschen, die mit ihrer Beharrlichkeit im Wald, im Gerichtssaal, in Bürgerinitiativen, bei Naturführungen, beim Beschaffen von Baumaterial und Lebensmitteln, bei Vorträgen in ganz Europa, beim Schreiben, Filmen, Übersetzen, Unterschriften sammeln und und und das jetzige Zwischenergebnis möglich gemacht haben.

Zuletzt steht hier nun Mutter Natur selbst vor Gericht. Das Gesicht der Bewegung ist inzwischen eine kleine Fledermaus, oder zumindest die Überlebenden der Terrorattacke (hier ist das Wort mal wirklich angebracht), bei der im Auftrag von RWE ihre Höhlen zugetackert wurden. Der Bestand wird sich davon erholen, solange der Wald steht, denn hier sind die Bedingungen optimal.
So klein kann Stalingrad sein. Für die weniger geschichtsbewanderten: bei Stalingrad kam der Aufmarsch der bis dahin scheinbar unbesiegbaren Truppen der Nazis erstmals in ernsthafte Probleme. Das sollte der Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg werden. Aber RWE ist doch nicht wie die Nazis, oder? Nein, denn die NSDAP war eine Partei, RWE ist eine Firma. Aber beide haben sich der Weltzerstörung verschrieben – aus niederen Beweggründen. Zur Selbstbereicherung, angeblich im Auftrag des Volkes.
Einst war RWE ein blühender Konzern. Inzwischen erleidet auch ihre „saubere“ Tochter Enogy erhebliche Kurseinbrüche an der Börse. Das fing an, als BUND bekannt gab, dem Vergleichsvorschlag zuzustimmen. Aber noch ist RWE nicht in die Grube gefallen, die sie uns allen anderen gegraben hat. Noch leidet der Wald, mit dem Weiher und den seltenen Springfröschen unter der Absenkung des Grundwassers. In Peru droht weiterhin ein riesiger schmelzender Eisbrocken mit einer Flutwelle, die eine ganze Stadt wegspülen würde. Vielleicht wird das die nächste Schlappe für RWE. Noch produziert die rheinische Braunkohleförderung mehr Feinstaub als der gesamte deutsch Straßenverkehr. Noch blockiert der Kohlestrom die europäischen Stromnetze und bremst den Ausbau der Erneuerbaren. Noch wird der Eigentümer der Wiese als Paranoiker beschimpft, weil er mit Steuerforderungen gezwungen werden soll, RWE die Wiese zu verkaufen. Wir haben noch viel zu tun. Und wir sind effektiv, täuscht euch nicht.

Neulich wunderte sich ein Polizeisprecher darüber und sprach von generalstabsmäßiger Planung. So denken Beamte nun mal. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass wir effektiv sind weil wir KEINEN Generalstab haben. Echt, das geht. Starenschwärme machen wunderschöne Kunstflüge in einem halsbrecherischen Tempo. Sie drängen damit sehr effektiv Greifvögel heraus. Aber ich habe noch nicht gehört, dass sie einen Generalstab haben. RWE und die Polizei haben sowas, auch wenn sie anders heißen. Wir sollten aber bedenken: Der Kapitalismus als Ganzes hat keinen.
So wie die Polizei mit Kontaktbeamten und ach so liberalen Polizeipräsidenten versucht, die Anti-Braunkohle-Bewegung zu spalten, konnten wir Stare es darum schaffen, im staatstragenden Lager die vorhandene Zwietracht zu fördern. Das ging nur, weil auch sie kein einheitlicher Block sind. Es sind schon etliche Großunternehmen stinksauer auf RWE und zeigen das öffentlich.

Aber noch bedroht dieses Monster den Wald. Darum muss er weiterhin von uns geschützt werden. Wir brauchen dafür weiterhin die Unterstützung von vielen Menschen.
Die Haselmäuse haben sich schon auf diese Nachbarschaft eingestellt.

-> hambacherforst.org/blog/2017/12/15/etappensieg

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